Wege zur Selbsttranszendenz

In der Logotherapie spricht man von der spezifisch menschlichen Fähigkeit zur Selbsttranszendenz. Mit Selbsttranszendenz ist die Fähigkeit des Menschen gemeint, sich selbst zu vergessen, z.B. für die Umsetzung eines Lebenssinns. Leben für etwas, das über den eigenen Grundbedürfnissen und den eigenen Gedankenkreiseln steht. Zum Beispiel für ein Kind da zu sein oder für eine Familie, für eine berufliche Aufgabe, für eine Gemeinschaft oder ein musisches Ziel.
Tiere streicheln, ihre Wesensarten wahrnehmen, Pflanzen gießen und sich an ihrem Wachstum erfreuen, der Welt und sich selbst mit Achtsamkeit und Mitgefühl begegnen:
All das sind Aspekte erfüllten Lebens, die in Momenten der Krise zurück in unsere Aufmerksamkeit kehren müssen, um uns heilen zu können.

Eine weitere spezifisch menschliche Fähigkeit ist die der Selbstdistanzierung. Hier erweist sich zum Beispiel Humor als ein wundervoller lebensbejahender Weg, die inneren Gedankenkreisel zu verlassen.

Selbsttranszendenz kann aber auch z.B. beim Anhören von wunderschöner Musik oder dem Betrachten von Natur entstehen. Diese Fähigkeit wird in der Logotherapie aktiviert und wirkt resourcenstärkend.

Sich z.B. in Mal- oder Zeichenprozessen zu verlieren oder mit besonderer Aufmerksamkeit einen beläufigen Aspekt der alltäglichen Welt zu bemerken und zu fotografieren, etwas mit treffenden Worten poetisch zu formulieren, zu singen, ein Lied zu schreiben, sich einem Klavierstück hinzugeben… unterschiedliche Wege mit verschiedenen Medien führen den Suchenden im künstlerischen Schaffensprozess durch das Dickicht einer Transformation, bis er die Lichtung findet, auf der sein Suchen belohnt wird.